John Gruber schrieb gestern darüber, dass Apples höchster Anspruch an Benutzerschnittstellen darin besteht, dass die Bedienung offensichtlich ist. Beim Design ihrer User Interfaces geht es ihnen darum, dass der Anwender nach einem Augenblick begreift, wie es funktioniert. Die folgenden Zitate Bingen das auf den Punkt:
This of course factor is at the heart of every great design — from the iPhone to the Braun alarm radio. And it’s an important lesson that every startup and entrepreneur should remember. Whether your company is making a physical product or a web service or mobile application, it’s essential for you to think about design. (Om Malik, The of course principle of design)
Design must be functional and functionality must be translated into visual aesthetics, without any reliance on gimmicks thathave to be explained. (Ferdinand Porsche)
Leider gelingt es nur wenigen Designern, ein User Interface derartig offensichtlich zu gestalten, so auf den Punkt zubringen. Oftmals neigen Firmen dazu, durch den Einsatz von Effekten dem Benutzer ein “Wow!” zu entlocken, ohne dass das Design ein Hilfe für den Anwender darstellt. All das wirft die Frage auf, wann ist ein User Interface Design gut? Wann lässt sich ein User Interface intuitiv bedienen?
Wann ist ein User Interface intuitiv?
Klären wir zunächst, was man unter Intuition versteht.
Die Intuition (v. lat.: intueri = (deponens) betrachten, erwägen, eigentlich: angeschaut werden, daher auch passiver Sinn von Eingebung, ahnendes Erfassen; intuitum) ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stämmigkeit von Entscheidungen zu erlangen, ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne bewusste Schlussfolgerungen. (Wikipedia: Intuition). Das zugehörige Adjektiv heißt intuitiv. Aus der Wortbedeutung heraus wird klar, dass es sich hierbei um eine menschliche Eigenschaft des Verhaltens handelt. Wenn also jemand von einem intuitiven User Interface spricht, dann meint er ein User Interface, das sich intuitiv bedienen lässt. “Ich möchte, dass wir ein intuitives User Interface schaffen.” heißt also in Wahrheit “Wir sollten ein User Interface entwerfen, dass ich intuitiv bedienen kann.”
Um zu erklären, wann sich ein User Interface intuitiv bediene lässt, ist etwas Theorie erforderlich.
Die Diskrepanz zwischen dem aktuellen und dem erforderlichen Wissen des Benutzers
Die Anwender eines Design bringen unterschiedliche Vorkenntnisse mit. Im Bereich der Telekommunikation hat man es mit Anwendern zu tun, die noch nie zuvor einen Kommunikations-Server eingerichtet haben, einen Desktop-VoIP-Client in Betrieb genommen haben oder überhaupt über nennenswerte PC-Kenntnisse verfügen, so dass ihnen selbst die Bedienung per Maus fremd ist. Auf der anderen Seite gibt es Personen, die jede Einzelheit des Designs kennen, da sie möglicherweise an Schaffungsprozess selbst beteiligt waren. Man kann sich die verschiedenen Wissensstufen verdeutlichen, indem man sie sich als Punkte auf einem fiktiven Zahlenstrahl vorstellt. Die Verteilung der Punkte gibt Auskunft über die Vorkenntnisse der Benutzergruppen. Von besonderem Interesse ist aber ein weiterer Punkt: der Normal-Kenntnisstand. Dieser markiert die notwendigen Vorkenntnisse, um mit einem User Interface die geforderte Aufgabe lösen zu können. Jeder Benutzer hat einen unterschiedlichen Kenntnisstand und dieser ändert sich mit der Zeit, da mit der Benutzung des Interface die Erfahrung zunimmt.
Die Wissenslücke
Der Normal-Kenntnisstand und der aktuelle Wissensstand des Benutzers liegen häufig weit auseinander. Hier entsteht eine Wissenslücke. Genau an diesem Punkt kommt das User Interface Design ins Spiel. Wenn momentaner Kenntnisstand und Normal-Kenntnisstand zusammentreffen, kann der Nutzer die an ihn gestellten Aufgaben lösen. Um diesen Punkt zu erreichen, kann man den User trainieren und ihm somit zusätzliches Wissen vermitteln. Man kann aber auch über das Design des User Interface den Punkt des Normal-Kenntnisstandes senken.
Intuitives User Interface Design
Von einem sich intuitiv anfühlenden User Interface spricht man, wenn
- der Kenntnisstand des Nutzers dem Normal-Kenntnisstand für das User Interface entspricht oder
- das Design des User Interface den Anwender nicht spüren lässt, dass sein aktuelle Kenntnisstand unter dem Normal-Kenntnisstand liegt
Die Schwierigkeit liegt darin, zu erkennen, was die avisierten Kunden bereits an Wissen mitbringen und was sie wissen müssen.
John Gruber schrieb gestern darüber, dass Apples höchster Anspruch an Benutzerschnittstellen darin besteht, dass die Bedienung offensichtlich ist. Beim Design ihrer User Interfaces geht es ihnen darum, dass der Anwender nach...